Mieterforum III/2026 9 ::: Vermieter:innen serschäden. „In der Wohnung eines älteren Ehepaars kam das Wasser tagelang buchstäblich aus den Wänden.“ Anja Butschkau wandte sich daraufhin an den Vorstand der LEG und forderte eine umgehende Beseitigung der Probleme. Gleichzeitig griffen der WDR, die Ruhr Nachrichten und andere Medien verschiedene Einzelschicksale auf und brachten die unzumutbaren Zustände in die Öffentlichkeit. Der Druck zeigte Wirkung. Die LEG lud Butschkau, betroffene Mieter:innen, Vertreter:innen des Mietervereins sowie der Jüdischen Gemeinde Dortmund als Trägerin eines Begegnungszentrums am Clarenberg zum Austausch ein. Das Ergebnis: Die LEG kündigte an, die Heizkostenabrechnungen zu überprüfen und zugunsten der Mieter:innen neu zu berechnen. Die Summe aller Nachforderungen reduzierte sich um mehr als 600.000 Euro. „Eine stolze Summe, die sehr gut klingt“, sagt Butschkau. „Wenn man jedoch bedenkt, dass die LEG am Clarenberg rund 1.000 Wohnungen hält, sind es im Schnitt 600 Euro pro Wohneinheit, um die die Nachforderungen gesenkt wurden. Das verringert zwar die Belastung, aber beseitigt sie nicht.“ Ob die Grundlage der Abrechnung, also das Contracting-Modell zwischen konzerneigenen Tochterunternehmen, rechtlich überhaupt haltbar ist, muss die laufende Belegprüfung zeigen. Der Mieterverein Witten hat für ähnliche Bestände der LEG bereits argumentiert, dass die vertraglichen Grundlagen unwirksam seien. Für die Mieter:innen am Clarenberg könnte das bedeuten, dass die Korrektur des Wohnungsunternehmens unter Umständen deutlich zu gering ausgefallen ist. Was Mieter:innen erreichen können Parallel zum Engagement der Landtagsabgeordneten legte der Mieterverein Dortmund für seine Mitglieder Widerspruch gegen die Heizkostenabrechnungen ein und forderte Belegeinsicht. „Solange angeforderte Belege nicht vollständig vorliegen, können unsere Mitglieder die Nachforderungen zurückhalten“, erläutert Markus Roeser vom Mieterverein Dortmund. „Sie müssen also nicht zahlen, bevor klar ist, ob die Forderung überhaupt berechtigt ist.“ Die LEG hat zwar zwischenzeitlich Belege für andere Betriebskosten vorgelegt. Belege für die Heizkosten für das Jahr 2024 fehlen allerdings weiterhin. Laut werden hilft „Die Menschen am Clarenberg sind wütend und verzweifelt. Und sie fühlen sich von der LEG im Stich gelassen. Viele haben dort über Jahre gern gelebt und erleben nun einen massiven Verfall ihres Quartiers“, sagt Butschkau. Und weiter: „Und bei den Nachforderungen ist es nicht plausibel, dass individuelles Heizverhalten solch extreme Summen verursacht. Hier drängt sich der Verdacht systemischer Fehler auf.“ Zusammen ist man stärker Gleichzeitig hat sich in den vergangenen Monaten auch etwas verändert. Am Clarenberg ist eine Dynamik entstanden, die über diesen aktuellen Fall hinausweisen könnte. Mieter:innen, die anfangs vereinzelt Meldungen machten, kamen durch die Bürgersprechstunde, durch die Medienberichterstattung und durch die Unterstützung vom Mieterverein miteinander in Kontakt. Und aus diesem Kontakt wurde Zusammenhalt. Inzwischen tauschen sich engagierte Bewohner:innen regelmäßig aus, teilen neue Infos und behalten die Situation vor Ort im Blick. Es gibt sogar Planungen, einen Mieterbeirat zu gründen. Solch ein Gremium gäbe den Bewohner:innen eine strukturierte, anerkannte Stimme gegenüber der LEG und wäre ein wichtiger Schritt hin zu mehr Mitbestimmung. Natürlich wäre es besser, wenn Vermieter Mängel beheben, bevor Mieter:innen frieren. Wenn Abrechnungen korrekt wären. Und Wohnqualität eine Selbstverständlichkeit wäre. Doch solange das nicht die Regel ist, gilt: Wer sich organisiert, wer Öffentlichkeit herstellt und wer gemeinsam mit Mieterverein und politischen Akteur:- innen an einem Strang zieht, kann etwas bewegen. (mik)
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