Mieterforum III/2026 7 ::: Stadt im Wandel Foto: mik Foto: MOSAIK hatte, fragte an, ob die Gruppe sich vorstellen könne, auf einem ehemaligen Zechengrundstück in Eving zu bauen. Nicht alle konnten das. Etliche der überwiegend aus dem Dortmunder Süden stammenden Mitglieder sprangen ab, weil sie dem Stadtteil misstrauten. Heute sagt Günther: „Ich bin dankbar, dass es hier geworden ist. Kurze Wege, freundliche Menschen im Umfeld, eine grüne Nische, Anschluss an die Bahn und eine aufblühende Szene rund um den Hafen.“ Selbstbestimmt statt betreut Was MOSAIK von anderen inklusiven Projekten unterscheidet, zeigt sich im Alltag: Es gibt keinen angegliederten Pflegedienst, der zu festen Zeiten durchs Haus geht. Wer Unterstützung braucht, organisiert sie selbst über das persönliche Budget. Das Recht darauf, Assistenz und Pflege selbst zusammenzustellen, ist seit 2008 in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert. So auch Stefan, der in einer der beiden Wohngemeinschaften lebt. Der 43-jährige Diplom-Ingenieur für Raumfahrttechnik verunglückte beim Snowboarden. Da war er 33. Seitdem ist er rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. 2017 stieß Stefan zu MOSAIK, wartete danach jahrelang auf die Fertigstellung des Projektes. Heute teilt er sich mit zwei anderen Mitbewohnenden und seinen wechselnden Assistenzkräften eine WG. Er hat ein eigenes Zimmer mit Bad und Kochnische, das WG-Leben organisiert er mit den Mitbewohnenden selbst. Für Günther ist das der Kern echter Inklusion: „Wir wollen bewusst keine Insel, sondern mittendrin im gesellschaftlichen Leben sein. Menschen mit Hilfebedarf sollen sehen können, was in der Gesellschaft los ist. Und die Gesellschaft muss sehen können, was eigentlich bei denen mit Hilfebedarf los ist.“ Geldsorgen und Rückschläge Finanziell balanciert MOSAIK auf einem schmalen Grat: Von den 17 Wohnungen am Winterkampweg sind 85 Prozent öffentlich gefördert und an einen Wohnberechtigungsschein gebunden. Das restliche Eigenkapital müssen die Bewohner:innen über Genossenschaftsanteile selbst aufbringen. Pro Quadratmeter Wohnraum zahlen Genossenschaftsmitglieder inzwischen 700 Euro. Bei einer Wohnfläche von 50 Quadratmetern kommen also 35.000 Euro zusammen, die der Genossenschaft für die Dauer der Mitgliedschaft zur Verfügung gestellt werden müssen. Für Menschen mit Hilfebedarf, die von Sozialleistungen leben und nur ein geringes Schonvermögen besitzen dürfen, ist das kaum zu stemmen. Doch ein Solidarmodell löst das Problem. So können Angehörige oder Freund:innen Anteile stellvertretend für Bewohnende zeichnen. Hinzu kommt, dass der Verein in der Genossenschaft verankert ist und Menschen mit Hilfebedarf, wenn nötig, auch finanziell unterstützen kann. Endlich angekommen Ursprünglich sollten im September 2024 die ersten Wohnungen bezogen werden. Tatsächlich wurde es April 2025. Heute leben in den 17 Wohnungen rund 30 Menschen, weniger als ein Drittel von ihnen mit Hilfebedarf. Der Rest ist eine bunte Mischung aus Alleinerziehenden, älteren und jüngeren Menschen sowie Familien mit und ohne Migrationsgeschichte. Alle zwei Wochen trifft sich die Hausgemeinschaft. Es gibt Arbeitsgruppen etwa für den Garten. Ein Gemeinschaftsraum ist Dreh- und Angelpunkt für gemeinschaftliche Aktivitäten. Er kann aber auch von Menschen aus der Nachbarschaft und dem Umfeld der Bewohner:innen genutzt werden. Bei einem Strukturtag hat die Gemeinschaft kürzlich überlegt, wie es nach der jahrelangen Aufbauphase weitergeht. Denn eines betonen Günther und Wiemann unabhängig voneinander: Mit dem Einzug ist die Arbeit nicht vorbei, sie verändert nur ihre Form. „Inklusion ist nichts, was man abhakt, weil man fertig ist“, sagt Gabriele Wiemann. „Das ist etwas, an dem wir hier jeden Tag weiterarbeiten.“ (mik) Mosaik Dortmund Winterkampweg 35, 44339 Dortmund Tel.: 0231-732968 (Verein) 0231-70094176 (Genossenschaft) info@mosaik-dortmund.de, www.mosaik-dortmund.de Aus der möblierten Baugrube (Bild rechts) ist inzwischen ein Zuhause für rund 30 Menschen geworden.
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