Mieterverein Dortmund - Nr. 84

Mieterforum II/2026 14 Entscheidungen und der klaren Haltung. Diese Kultur führt seit Herbst ein neues Führungsduo weiter: Rosa Becker und Frank Plaß übernehmen die Geschäftsführung – als Doppelspitze, eingebettet in ein breites Leitungsteam. Klare Kante Auch wenn GrünBau Wert auf parteipolitische Unabhängigkeit legt, ist politische Einmischung explizit erwünscht. Für das Unternehmen bedeutet soziale Gerechtigkeit ganz konkret: das Recht jedes Menschen auf faire Chancen. Egal ob jung oder alt, mit Papieren oder ohne, arbeitsuchend oder im Job. Das sind keine abgedroschenen Phrasen, sondern gelebter Anspruch in der Nordstadt. Und so begleitet das Unternehmen seit Jahren junge Menschen, die auf dem Weg in ein selbstständiges Leben ins Stolpern Drei ABM-Stellen, ein kleines Büro und eine Schublade mit Briefmarken und Bargeld als Verwaltung. So arbeitete die Initiative in ihren Anfangstagen. Und sie wuchs schnell: 1994 kamen Jugendhilfeprojekte hinzu, später Arbeitsmarktintegration, Bildung, Qualifizierung, Wohnen und Quartiersarbeit. Seit 2010 ist die Stiftung Soziale Stadt alleinige Gesellschafterin des gemeinnützigen Unternehmens, in dem heute rund 300 Mitarbeitende in sechs Betriebsteilen mehr als 50 Projekte betreuen. Im Herbst 2025 endete nach mehr als drei Jahrzehnten eine Ära: Andreas Koch, Angelika Wirth und Ute Lohde – drei der prägenden Köpfe der GrünBau-Geschichte – verabschiedeten sich in den Ruhestand. Was sie hinterließen, ist weit mehr als ein gewachsenes Unternehmen: eine Kultur der kurzen Wege, der gemeinsamen geraten sind. „Ein ausstehender Bescheid, eine ausgefallene Zahlung, ein dringend benötigter Pass – das klingt nach Kleinigkeiten, kann für Betroffene aber verheerende Folgen haben. Das Regelsystem arbeitet nicht immer schnell genug“, sagt Julian Tschierschke, der als GrünBauSozialarbeiter genau weiß, an welchen Stellen das soziale Auffangnetz zuerst Risse bekommt. Unbürokratische Hilfe Ein 2022 ins Leben gerufener NotfallFonds springt genau dort ein, wo andere Leistungen fehlen oder schlicht zu langsam anlaufen: schnell, unbürokratisch und alltagstauglich. „Albis Fall ist ein gutes Beispiel“, erklärt Tschierschke. „Er stand kurz vor dem Abschluss seiner Bäckerlehre, als eine unverschuldete finanzielle Notlage alles infrage stellte. Ohne die unbürokratische Hilfe aus dem Notfallfonds hätte er Fotos: GrünBau Als im Jahr 1990 ein paar arbeitslose Akademiker:innen damit begannen, Hinterhöfe in der Nordstadt zu begrünen, legten sie den Grundstein für eines der bedeutendsten sozialen Unternehmen Dortmunds: die GrünBau gGmbH. Heute wie damals steht das Unternehmen für Haltung, Solidarität und den Willen, Menschen aufzufangen, bevor sie durchs Netz fallen. ::: Stadt im Wandel Soziales Engagement Wenn das Netz Löcher hat Dank des GrünBau Notfall-Fonds konnte Albi seine Ausbildung zum Bäcker abschließen und arbeitet heute als Geselle.

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