Mieterverein Dortmund - Nr. 82

Mieterforum IV/2025 9 Mietervereins-Vorstandsmitglied Martin Steinestel, beantwortet Fragen zur Modernisierung dezentraler Heizungen. ::: Verbraucher:innen sinnvoll. Es muss jedoch zuvor die zukünftige Form der Wassererwärmung geklärt werden. Wenn das Trink- und Duschwasser bisher schon elektrisch erwärmt wurde, so wird das wohl auch zukünftig die einfachere Lösung sein – ggf. dann mit moderneren Durchlauferhitzern. Was ist bei der Versorgung mit Warmwasser zu beachten? Gasetagenheizungen erfüllen oft eine Doppelfunktion: Heizung und Warmwasser. Wird bei einer Modernisierung beides zentralisiert, ist das mit viel Aufwand und Installation verbunden, weil zusätzlich eine hausweite Warmwasserzirkulation einzubauen ist. Wer nur die Heizung zentralisiert, kann darauf verzichten und sowohl die erforderliche Gesamtheizleistung als auch die Fixkosten für eine Wärmepumpe oder einen Fernwärmeanschluss reduzieren. Die Wassererwärmung erfolgt dann in jeder Wohnung separat – zum Beispiel elektrisch oder mit einer kleinen Wärmepumpe mit Warmwasserspeicher, die das zentrale Heizungssystem als Wärmequelle nutzt. Ist Warmwasser mit Strom denn nicht teurer? Das hängt davon ab. Wenn das Wasser bereits zuvor elektrisch erwärmt wurde, ändert sich nichts – im Idealfall verbessert sich sogar die Effizienz durch Umrüstung auf elektronische Durchlauferhitzer oder den Einbau von Thermostatmischern an Duschen. Wird von Gas auf elektrische Wassererhitzung umgestellt, so ist der Strom zwar der teurere Energieträger, aber fossile Energieträger werden zunehmend mit CO2-Abgaben beaufschlagt. Dagegen ist im örtlichen Strommix (und bei Ökostrombezug ohnehin) schon ein relativ hoher Anteil an erneuerbaren Energien enthalten. Durch eine Entscheidung gegen eine zentrale Warmwasserzirkulation lassen sich zusätzliche Verteilverluste und Kosten vermeiden. Welche Vorteile hat die Zusammenlegung der Gasetagenheizungen? In jeder Wohnung ist mit den Heizkörpern und Heizleitungen schon ein wesentlicher Teil des Heizungssystem vorhanden. Die wohnungsseitigen Systeme werden nur noch verbunden, z.B. über einen nicht mehr genutzten Kamin, und zentral über eine Heizung versorgt. Auch im Sinne späterer Umstellungsbedürfnisse, wie der Anschluss an Nah- oder Fernwärme oder an eine Wärmepumpe, ist ein Zentralheizungssystem für das Bestandsgebäude technologieoffen, effizient und weniger betreuungsintensiv. Wartungsarbeiten, Schornsteinfeger, Reparaturen etc. fallen nur noch an einer zentralen Einheit an und nicht in jeder Wohnung. Wie sind die technischen Alternativen für Gasetagenheizungen abzuwägen? Es ist zu klären, ob und wie sich eine klassische Zentralheizung realisieren lässt, damit die vorhandene Infrastruktur für die Beheizung der Wohnung weiterhin nutzbar bleibt. Für eine vorausschauende Planung ist es wichtig zu wissen, ob das Gebäude im Zuge der kommunalen Wärmeplanung zukünftig im Fernwärmeausbaugebiet liegt und welche Übergangslösungen möglich sind. Was wäre wichtig, damit die Umstellung für Mieter:innen günstig erfolgt? Private Kleinvermieter:innen, Hausverwaltungen und WEGs sollten unbedingt von der Kommune oder dem Land darin unterstützt werden, eine passende Lösung für das Gebäude zu finden. Anreize sollten geschaffen werden, sich frühzeitig damit zu befassen und Übergangslösungen für erst später zugängliche Wärmenetze möglich gemacht werden. Wer als Eigentümer:in die Probleme aussitzt, findet später keine durchdachte Lösung und holt sich im Zweifel weitere Konflikte ins Haus. Im Zuge der Wärmewende ist sowohl energietechnisches als auch mediatives Know-how gefragt. Mit einer Energieberatung, einem durchdachten Modernisierungskonzept und frühzeitiger Einbeziehung der Bewohner:innen schafft man Akzeptanz für die bevorstehenden Maßnahmen. Insbesondere ist es bei WEGs wichtig, dass Eigentümer:innen vereint die Modernisierung anstreben und sich dafür eine externe Moderation zur Unterstützung holen. (mar) Checkliste für Mieter:innen Ist die Modernisierung sinnvoll? • Wohne ich in einem Fern-/ Nahwärmeausbaugebiet? • Wird mein Wasser bisher mit Strom erhitzt? Sind Elektroleitungen für Durchlauferhitzer vorhanden oder gibt es Platz für eine kleine Warmwasserwärmepumpe? • Habe ich noch einen alten hydraulischen Durchlauferhitzer? Die Erneuerung durch elektronische Geräte spart deutlich Wasser und Strom (vgl. Duschrechner der VZ: www.verbraucherzentrale.nrw/ duschrechner) • Wie alt ist die Gastherme in meiner Wohnung? Bis wann müsste sie erneuert werden? • Habe ich meine Vermieter:in schon auf eine günstige, neutrale Energieberatung hingewiesen? Foto: Martina Hengesbach

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